 |
 |
 |
| Überschuldung in Deutschland von 1988-1999 |
|
 |
 |
|
 |
| Marktverhalten, Verschuldung und Überschuldung privater Haushalte in den neuen Bundesländern, 1997 |
|
 |
 |
|
 |
| Überschuldungssituation und Schuldnerberatung in der Bundesrepublik Deutschland, 1992 |
|
 |
 |
|
 |
|
 |
Seit 1990 beschäftigen wir uns intensiv mit den Zusammenhängen von Konsumverhalten, Verschuldung und Überschuldung. Uns interessiert dabei
nicht nur die Beschreibung pluralisierter Konsumstile, sondern auch wie und wo sie entstehen. Unsere Ergebnisse sind die Bausteine einer Theorie der Verschuldung
und Überschuldung. Unter Verschuldung verstehen wir jede Form des Eingehens von Zahlungsverpflichtungen, die ökonomisch und juristisch geregelt ist und von Gläubigern und Schuldnern ein rollenkonformes Verhalten erwarten lässt. Das
Eingehen von Verschuldung ist konstitutiv für unser Wirtschaftssystem. Ohne die durch Verschuldung möglichen Investitionen würde es kein wirtschaftliches Wachstum geben. Vor allem junge Familien in der Aufbauphase verwenden Kredite zur Finanzierung
ihres Konsums. Jedes Jahr werden rund 4 Mio. neue Ratenkredite aufgenommen, Verschuldung ist damit zu einem akzeptierten und üblichem Verhalten geworden. Die 2,5%-3% Kredite, die von den Kreditnehmern nicht zurückgezahlt werden können, zeigen
jedoch auch die Risiken. Durch Arbeitslosigkeit, Trennungen und Scheidungen, durch Schicksalschläge bei Niedrigeinkommen, aber auch durch wirtschaftliches Unvermögen kann aus einer Verschuldung schnell eine Überschuldung werden. Überschuldung
liegt vor, wenn der nach Abzug der notwendigen Lebenshaltungskosten verbleibende Einkommensrest nicht mehr ausreicht, die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen und eine psychosoziale Destabilisierung gegeben ist. Auf der psychischen Ebene beginnt
die Destabilisierung bei Scham, Selbstvorwürfen, Nervosität und Schlaflosigkeit und sie endet beim Suizid oder Tötungsaffekt. Auf der sozialen Ebene reicht die Spannbreite von wechselseitigen Schuldzuweisungen über Trennung bis hin zur Gewalttätigkeit
und Isolation. Häufig kommen gesundheitliche Krisen hinzu. Von 1988 bis 1999 ist die Anzahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland auf knapp 2,8 Mio. Haushalte angestiegen, davon sind durch die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung
1,1 Mio. Menschen in einem Schuldnerregister eingetragen. Wir haben diese Zusammenhänge und Entwicklungen seit 1988 in vier Gutachten sowie zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen dokumentiert und kommentiert. Unsere Berechnungsverfahren
und Indikatoren sind vielfach übernommen worden. Seit über 10 Jahren evaluieren wir auch das Beratungsangebot der Schuldnerberatungsstellen und entwickeln Vorschläge zur Professionalisierung der Dokumentationssysteme und der Fort- bzw. Weiterbildung.
Dieter Korczak gehört der Arbeitsgruppe "Bundeseinheitliche Überschuldungsstatistik" an, die unter der Federführung des Bundesfamilienministeriums eine Basisstatistik zur Überschuldungssituation privater Haushalte und zur Arbeit
der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen entwickelt. Die Ergebnisse unserer Gutachten sind in die Vorbereitung des Konsumentenkreditgesetzes und der Insolvenzordnung sowie in den Ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung eingeflossen.
Im Verbund des European Dept Research Network tragen wir zur Internationalisierung der Überschuldungsforschung bei und sind zum Hearing des Rates der
Europäischen Union über die Richtlinie zum Verbraucherkredit 2001 eingeladen worden. Exclusion vom Geld- und Kreditverkehr für bestimmte Bevölkerungsgruppen, die Finanzierung der Schuldnerberatung, die Internationalisierung der
Finanzdienstleister und die Folgen des digitalen Zahlungsverkehrs sind die kommenden Probleme. |
|
 |
|
 |